Business-blogger

Business-blogger mit täglichen Nachrichten und Themenbeiträgen von Industrie-und Handelskammern (IHK ) aus Deutschland und Österreich.

Freitag, 27. März 2026

Wirtschaft fordert Neuorientierung der Energie- und Klimapolitik.





27.03.2026 - Industriestandort FrankfurtRheinMain nicht länger im internationalen Wettbewerb benachteiligen. - Vertreter der Wirtschaft haben am Donnerstagabend, 26. März 2026, mit Repräsentanten der CDU-SPD-Landtagskoalition im Industriepark Höchst über die Energie- und Klimapolitik diskutiert. Podiumsteilnehmer waren Stephan Grüger, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender, und die Frankfurter CDU-Abgeordnete Tanja Jost. Sie diskutierten mit Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer der Infraserv Höchst, Vorsitzender des Verbands der Chemischen Industrie Hessen (VCI Hessen) und Vorstandsmitglied des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), Wolf Matthias Mang, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und Dr. Clemens Christmann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main.

Bei der Kooperationsveranstaltung der Infraserv Höchst, des VCI Hessen, der VhU, des VIK und der IHK Frankfurt am Main wurde deutlich: Der derzeitige energie- und klimapolitische Rahmen benachteiligt die Unternehmen am Industriestandort FrankfurtRheinMain im internationalen Wettbewerb. Mittelbar betroffen sind auch viele Unternehmen in Handel, Handwerk und Beratung, die als Dienstleister für die Industrie tätig sind. Die heimische Wirtschaft fordert massive politische Kurskorrekturen: Der Weg zur Treibhausgasneutralität sei langfristig richtig, könne und müsse aber mit weniger finanziellen und regulatorischen Belastungen der Unternehmen erreicht werden.

Die Industrieregion ist geprägt von der chemischen und pharmazeutischen Industrie und der Metall- und Elektroindustrie, die teilweise sehr energieintensiv sind und auf den Flughafen Frankfurt als internationales Logistikdrehkreuz angewiesen sind. Sie bilden die Grundlage für Wachstum und Beschäftigung in vielen Wirtschaftszweigen, machen den Standort aber besonders empfindlich gegenüber hohen Energiepreisen. Seit Jahren verteuert der Staat die Strompreise in Deutschland, so dass sie teilweise doppelt so hoch sind wie in Frankreich, in den USA oder China. Hinzu kommen steigende regulatorische Anforderungen sowie Unsicherheiten beim Netzausbau und damit bei der langfristigen Versorgungssicherheit. Das hat negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und des Wirtschaftsstandorts. Viele Unternehmen haben ihre Produktionen bereits heute heruntergefahren oder ins Ausland verlagert, weitere planen diesen Schritt.

Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer Infraserv Höchst, Vorsitzender VCI Hessen und Vorstandsmitglied VIK, betonte: „Für die hier ansässigen Unternehmen, die sich im globalen Wettbewerb behaupten müssen, sind wettbewerbsfähige Energiepreise existenziell. Wenn Energie in Deutschland strukturell deutlich teurer ist als in anderen Industrieregionen, werden Investitionsentscheidungen gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland getroffen. Das ist keine Vorhersage, sondern passiert im Hier und Jetzt. Ohne eine klare und schnelle energiepolitische Kurskorrektur verstärkt sich die Abwanderung energieintensiver Produktion weiter: mit gravierenden Folgen für Wertschöpfung, Arbeitsplätze, die Steuereinnahmen und letztlich auch für das Klima, wenn Produktion in Länder mit geringeren Umweltstandards verlagert wird“.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Vorstellung der DIHK-Studie „Neue Wege für die Energiewende (Plan B)“. Diese beziffert die Gesamtsystemkosten der Energiepolitik bis 2050 auf rund fünf Billionen Euro. Dr. Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie bei der DIHK, erklärte: „Die derzeitige Ausgestaltung des Pfades zur Klimaneutralität ist volkswirtschaftlich nicht tragfähig. Notwendig sind mehr Kosteneffizienz, Technologieneutralität und ein konsequent am Emissionshandel ausgerichteter Ordnungsrahmen.“

Wolf Matthias Mang, Präsident der VhU, ergänzte: „Unter den aktuellen Rahmenbedingungen ist die angestrebte Treibhausgasneutralität der Stadt Frankfurt am Main bis 2035 und des Bundes bis 2045 nicht erreichbar. Es fehlen technologische, infrastrukturelle und vor allem finanzielle Voraussetzungen. Statt starrer Jahresziele brauchen wir einen flexibleren CO₂-Budgetansatz sowie einen spürbaren Abbau regulatorischer Belastungen. Denn nur mit starkem wirtschaftlichem Wachstum lassen sich die für den Umbau hin zur Treibhausgasneutralität anfallenden Kosten in Billionenhöhe finanzieren.”

Dr. Clemens Christmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Frankfurt am Main, sagte: „Dekarbonisierung sollte nicht zu Deindustrialisierung und Demobilisierung führen. Wenn zentrale Säulen unserer Wirtschaftsregion – von der Chemieindustrie bis zum Flughafen – an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, weil sie von staatlichen Steuern, Abgaben und Überregulierungen belastet werden, dann schwächt das den gesamten Standort. Ziel sollte eine klimagerechte, aber zugleich wirtschaftlich tragfähige langfristige Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft sein.“

Im Bezirk der IHK Frankfurt am Main ist die Industrie Rückgrat von Beschäftigung, Innovation und Wertschöpfung. Ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, ist daher keine Einzelinteressenfrage, sondern eine zentrale wirtschafts- und standortpolitische Aufgabe. Klimaschutz und industrielle Stärke dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Notwendig ist daher laut den Veranstaltern eine verlässliche, international abgestimmte Klimapolitik, die auf marktwirtschaftliche Instrumente wie den europäischen Emissionshandel setzt, regulatorische Belastungen spürbar reduziert und dem Staat eine klare Rolle als Rahmensetzer statt als Detailregulierer zuweist. Nur mit wettbewerbsfähigen und planbaren Rahmenbedingungen kann der Industriestandort FrankfurtRheinMain seine Rolle im internationalen Wettbewerb behaupten und gleichzeitig auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität vorankommen.

Hintergrundstatistik / statistische Daten zum Hintergrund:
· CO₂-Emissionen: China, die USA und Indien verursachen über die Hälfte der weltweiten CO₂-Emissionen: 2024 lagen sie bei 13.260 Mio. t (China), 4.682 Mio. t (USA) und 2.955 Mio. t (Indien). Zum Vergleich: Deutschland emittierte 583 Mio. t CO₂, davon 33,4 Mio. t CO₂ in Hessen. (Quellen: VhU (2025), HMLU (2026))
· Strompreise im internationalen Vergleich: Unternehmen in Deutschland zahlten 2025 rund 17 ct/kWh Strom – deutlich mehr als Wettbewerber wie Frankreich (11 ct), USA (7,5 ct) oder China (8,8 ct). (Quelle: Frontier Economics (2025) basierend auf Eurostat (2025) für EU, DESNZ (2025) für USA und Agora/ Afry (2023) für China)
· Bruttowertschöpfung und Beschäftigung in FrankfurtRheinMain: In FrankfurtRheinMain lag im Jahr 2023 die Bruttowertschöpfung bei 313 Mrd. €, davon entfielen rund 22 Prozent auf das produzierende Gewerbe. Insgesamt waren in der Region 2,5 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte registriert, davon rund 21 Prozent im produzierenden Gewerbe. (Quelle: Perform (2025)).
· Industriepark Höchst: Im 460 Hektar großen Industriepark Höchst in Frankfurt am Main sind mehr als 90 Chemie- und Pharmaunternehmen ansässig, die hier Forschung, Entwicklung und Produktion betreiben und rund 20.000 Menschen beschäftigen. Mit Investitionen von insgesamt etwa 8,5 Milliarden Euro im Zeitraum 2000 bis 2025 gilt der Industriepark Höchst als einer der erfolgreichsten Standorte Europas. Die Industriepark-Unternehmen benötigen jährlich etwa 2.000 GWh Strom und 3.500 GWh Wärme. (Quelle: Industriepark Höchst (2026))
· Rückgang von Produktion und Beschäftigung in Industrie: In nahezu allen Industriebranchen gehen derzeit Produktion und Beschäftigung zurück. So verringerte sich die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Industrie im Jahr 2025 um rund 124.100 Personen gegenüber dem Vorjahr auf 5,38 Mio. Personen. (Quelle: EY (2026))
· Hoher Investitionsbedarf über alle Sektoren hinweg: Die jährlich erforderlichen privaten und öffentlichen Investitionsbedarfe in Folge der Vorgaben der Energie- und Klimapolitik von EU und Bund dürften zukünftig massiv ansteigen und beispielsweise im Jahr 2035 zwischen 113 und 316 Mrd. € liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtheit aller privaten Bruttoinvestitionen in Deutschland betrug im Jahr 2024 – über alle Branchen und Sektoren hinweg – etwa 770 Mrd. €. Der maximale Investitionsbedarf in Folge der Energie- und Klimapolitik liegt somit in einer Größenordnung von bis zu 40 Prozent der bisherigen privaten Bruttoinvestitionen. (Quellen: Frontier Economics (2025); Bundesfinanzministerium (2025))

VhU
Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V.
Emil-von-Behring-Straße 4
60439 Frankfurt

Donnerstag, 26. März 2026

Einbruch der Exporte in die USA um ein Fünftel

 





Brossardt: „Müssen bestehende Barrieren im europäischen Binnenmarkt abschaffen“

626.03.2026. Die bayerische Wirtschaft exportierte im Januar 2026 Waren im Wert von rund 16,6 Milliarden Euro ins Ausland, das waren 4,4 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. zeigt sich angesichts der heute vom Landesamt für Statistik veröffentlichten Zahlen sehr besorgt. „Für die bayerische Exportwirtschaft hat das Jahr mit einem deutlichen Dämpfer begonnen. Insbesondere die um 20,2 Prozent gesunkenen Exporte in die USA sind alarmierend. Der Zollstreit mit den USA trübt auch unsere Aussichten für den weiteren Jahresverlauf ein. Unsere Unternehmen brauchen endlich Planungssicherheit. Es bleibt zu hoffen, dass das EU-Parlament in der kommenden Woche der Zollvereinbarung mit den USA zustimmt und die USA gleichzeitig zusichern, ihrerseits die Vereinbarung einzuhalten“, so vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Die Betrachtung wichtiger bayerischer Exportmärkte ist durchwachsen. „Die USA blieben auch im Januar unser wichtigster Exportmarkt. Umso bedauerlicher ist es, dass wir auch aufgrund der aggressiven US-Zollpolitik einen weiteren Rückgang bei den Ausfuhren sehen. Erfreulicherweise deutet sich eine Entspannung beim Exportgeschäft mit der Volksrepublik China an. Die Exporte nach China stiegen im Januar um 2,1 Prozent. Deutliche Zuwächse verzeichnen die Exporte nach Polen um 11,3 Prozent. Insgesamt exportierte der Freistaat 1,8 Prozent mehr Waren in die EU-Länder. „Einmal mehr beweist sich die EU als Stabilitätsanker für unser Exportgeschäft“, sagt Brossardt weiter.

Mit Blick auf die eingebrochenen Exporte in die USA verzeichnen alle wichtigen Exportgüter aus dem Freistaat einen Rückgang. „Bei den Pkw liegt dieser bei besorgniserregenden 17,5 Prozent, bei Maschinen 6,6 Prozent, bei Geräten zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung 7,6 Prozent sowie bei den Pkw-Teilen 6,1 Prozent. Diese Warengruppen sind die zentralen Säulen der bayerischen Exportwirtschaft. Die Lage bleibt daher extrem herausfordernd“, erklärt Brossardt und ergänzt: „Wir müssen bestehende Barrieren im europäischen Binnenmarkt abschaffen. Hier steckt enormes wirtschaftliches Potenzial. Und letztendlich brauchen wir mehr Freihandelsabkommen. Wir begrüßen ausdrücklich die Vereinbarung mit Indien und unterstützen die Entscheidung der EU-Kommission, das Mercosur-Abkommen vorläufig anzuwenden. Ebenfalls setzen wir darauf, dass die Verhandlungen mit Australien bald zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden.“



vbw im hbw | Haus der Bayerischen Wirtschaft
Max-Joseph-Straße 5
80333 München

Debatte über Energie- und Kraftstoffpreise für strukturelle Entlastung nutzen




 26.03.2026 - Voigt-Vorschlag positiv. Der iranbedingte Preisschock bei Öl und Kraftstoffen verschärft eine Entwicklung, die Unternehmen und Verbraucher seit Langem belastet: Energie ist in Deutschland in ihrer Breite zu teuer. Für ein Flächenland und industriell verwurzelten Wirtschaftsraum wie Südthüringen ist das aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen nicht nur eine Frage kurzfristiger Mobilitäts- und Logistikkosten, sondern der grundsätzlichen internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

„Der Vorschlag von Ministerpräsident Mario Voigt, die CO-Bepreisung von etwa 19 Cent bzw. 17 Cent pro Liter auszusetzen, ist zu unterstützen. Deren dauerhafter Entfall und darüber hinaus eine langfristige Reduktion der staatlichen Preisbestandteile muss das Ziel sein. Klimaschutz darf nicht losgelöst von wirtschaftlicher Realität gedacht werden. Nicht in jeder Lage kann er oberste Priorität haben. Politische Verantwortung bedeutet, ökologische Ziele mit ökonomischen und sozialen Notwendigkeiten auszubalancieren und Prioritäten anzupassen. Die Erfahrung zeigt zugleich, dass kurzfristig angelegte Kraftstoffentlastungen den Staat Milliarden kosten und keine tragfähige Dauerstrategie darstellen“, betont Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Aus Sicht der Südthüringer Wirtschaft ist es nachvollziehbar, dass angesichts der aktuellen Entwicklung konkrete Entlastungsvorschläge durch den Thüringer Minister für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten, Tilo Kummer, vorgelegt werden. Gleichwohl greift es zu kurz, die politische Antwort vorrangig in einer Rückverteilung der CO-Einnahmen über ein Klimageld zu suchen.

„Der aktuelle Preisschock verschärft ein Grundproblem, er begründet keine neue Umverteilungslogik. Wer knappe Mittel jetzt vor allem in konsumtive Rückverteilung lenkt, bleibt ordnungspolitisch kurzatmig. Entscheidend ist, Energie insgesamt wieder auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu bringen“, sagt Dr. Ralf Pieterwas.

Entscheidend ist deshalb die größere wirtschaftspolitische Herausforderung: Die Energiepreise in Deutschland waren insgesamt bereits vor der aktuellen Zuspitzung wesentlich zu hoch und belasten den Standort in seiner Substanz. Der gegenwärtige Spritpreisschock verschärft dieses Problem, er erklärt es nicht.

Die Südthüringer Wirtschaft spricht sich dafür aus, die Mittel dort einzusetzen, wo sie die strukturellen Kosten des Standorts dauerhaft senken. Dazu gehören insbesondere auch eine dauerhafte Deckelung und strukturelle Absenkung der Netzentgelte sowie die konsequente Reduzierung staatlich induzierter Strompreisbestandteile. Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds sollen daher genutzt werden, um die Stromkosten wirksam zu senken und energieintensive Prozesse wieder international wettbewerbsfähig zu machen.

Eine kurzfristige Reaktion auf außergewöhnliche Verwerfungen bei Öl und Kraftstoffen mag politisch nachvollziehbar sein. Die Zukunftsfähigkeit des Standorts entscheidet sich jedoch an den dauerhaft zu hohen Energiekosten insgesamt. Notwendig ist deshalb eine Politik, die Energie strukturell günstig macht.

In einer akuten Preiskrise wäre der Weg über bestehende steuerliche Instrumente grundsätzlich näherliegend als neue Auszahlungs- und Verteilungsmechanismen, weil er einfacher, schneller und bürokratieärmer wäre. Beispielsweise sind Einnahmensteigerungen des Staates durch die preisbezogene Erhöhung der Steuererträge zu erwarten. Ebenso ist eine Mehrfachbesteuerung beziehungsweise -abgabe über Energie- und Mehrwertsteuer sowie CO-Abgabe grundsätzlich kritisch zu sehen.

„Nachhaltige Entlastung entsteht nicht durch immer neue Verteilungsmechanismen, sondern durch wirtschaftliche Stärke und solide Finanzpolitik. Haushaltsdisziplin ist geboten. Wenn staatliche Mittel konsequent und effizient eingesetzt werden, entstehen Spielräume für gezielte Entlastungen. Diese vergrößern sich nachhaltig, wenn der Standort wieder wächst“, betont Dr. Ralf Pieterwas abschließend.

foto Freistaat Thüringen - Thüringer Staatskanzlei


IHK Logo
Industrie- und Handelskammer Südthüringen
Hauptgeschäftsstelle
Bahnhofstraße 4 – 8 • 98527 Suhl


Studie: Kein Einsatz von KI und Robotern ohne betriebliche Mitbestimmung




Bonn, 26. März 2026 – Persönlichkeitsschutz, Qualifizierung und Ethik gehören aus gewerkschaftlicher Sicht zu den wichtigsten Themen für die betriebliche Mitbestimmung beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotern in den Unternehmen. Dies hat eine gemeinsame Studie der Bonner Wirtschafts-Akademie (BWA), der Industriegewerkschaft IGBCE (Bergbau, Chemie, Energie) und der Denkfabrik Diplomatic Council (DC), die zum engsten Beraterkreis der Vereinten Nationen gehört (UN Consultative Status), zutage gefördert. Bei einer aktuellen Umfrage unter 150 Gewerkschafts­funktionären und Arbeitgebervertretern nannten mehr als drei Viertel der Befragten (76 Prozent) den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte als besonders wichtig für die Mitbestimmung, wenn KI und Robotik in den Betrieben zum Einsatz kommen. 69 Prozent (Mehrfachnennungen waren erwünscht) hoben die besondere Bedeutung der Qualifizierung und Weiterbildung für die von den neuen Technologien Betroffenen hervor. An dritter Stelle stehen laut Umfrage ethische Leitlinien für den KI-Einsatz im Unternehmen. Als ebenfalls wichtig für die Mitbestimmung bei Künstlicher Intelligenz und Robotik stufen die Befragten den Arbeits- und Gesundheitsschutz (52 Prozent) sowie Arbeitszeit­regelungen (33 Prozent) ein.

Studienleiter Harald Müller, Geschäftsführer der BWA und Co-Chairman im Diplomatic Council mit Zuständigkeit für das Themenfeld KI+Robotik, sagt: „Angesichts der Welle an KI-Robotern, die auf Deutschland in den nächsten Jahren voraussichtlich zurollen wird, sollten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer heute schon auf verbindliche Regeln für den Einsatz der neuen Blechgesellen mit künstlichem Denkvermögen verständigen. Für die Unternehmen ist der Einsatz der neuen Technologien unerlässlich, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber es gilt darauf zu achten, dass dabei nicht die Rechte der Arbeitnehmerschaft auf der Strecke bleiben.“

Thomas Meiers, Landesbezirksleiter NRW bei der IGBCE erklärt: „Für uns steht fest: Der Mensch muss im Mittelpunkt bleiben. Technologische Entwicklungen dürfen nicht dazu führen, dass Menschen zu reinen Ausführenden von Maschinen werden. Gute Arbeit, Schutz der Persönlichkeit und faire Arbeitsbedingungen müssen auch im digitalen Zeitalter gesichert sein.“

Qualifizierungsoffensive für KI und Robotik

BWA-Chef Harald Müller regt unter anderem eine großangelegte Qualifizierungsoffensive in Sachen KI und Robotik an. Er sagt: „Die Belegschaften müssen rechtzeitig befähigt werden, die neuen Technologien im Betrieb einzusetzen. Das liegt auch im Interesse der Arbeitgeber, denn nur KI-kompetente Mit­arbeitende können die von den Unternehmen erhofften Produktivitäts- und Kostenvorteile erzielen.“

IGBCE-Landesbezirksleiter Thomas Meiers ergänzt: „Ohne Wissen gibt es keine wirksame Mitbestimmung. Deshalb brauchen wir eine breite Qualifizierungsoffensive für Beschäftigte und Betriebsräte. Nur wer die Technologien versteht, kann ihre Einführung im Sinne der Beschäftigten aktiv gestalten.“

Laut Umfrage gehen 62 Prozent der Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter davon aus, dass in Zukunft humanoide KI-Roboter, also dem Menschen nachkonstruierte und mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschinen, selbstständig betriebliche Aufgaben planen und ausführen können. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Befragten erwarten diese Entwicklung innerhalb der nächsten zehn Jahre. Dennoch fühlt sich nur ein gutes Viertel (26 Prozent) der Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter „gut informiert“ über KI und humanoide Roboter. „Aufklärung ist das Gebot der Stunde auf allen Seiten“, betont Harald Müller. Er erklärt: „Mangelndes Wissen führt zu Unsicherheit und diese zur Ablehnung. Als Industrienation kann sich Deutschland aber eine pauschale Ablehnung dieser neuen Techno­logien nicht leisten, wollen wir nicht an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verlieren, was den Arbeits­markt weiter belasten würde.“

Thomas Meiers führt aus: „Die Chancen von Künstlicher Intelligenz sind unbestritten. Sie kann Arbeit erleichtern und Prozesse effizienter machen. Aber sie darf niemals dazu führen, dass Beschäftigte an Einfluss verlieren oder unter zusätzlichen Druck geraten. Fortschritt braucht klare Regeln und starke Mitbestimmung.“

Leitplanken für die Beschäftigten

„Unternehmen und Gewerkschaften sind gleichermaßen gefordert, Leitplanken für die Arbeitnehmer­schaft angesichts der vor uns stehenden KI-Roboter-Revolution zu entwickeln“, resümiert Harald Müller. Er verweist auf die Studienergebnisse, wonach 69 Prozent der befragten Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter davon ausgehen, dass künftig humanoide KI-Roboter im Büro Verwendung finden werden. 75 Prozent sagen den Einsatz der menschenähnlichen Maschinen in der Industrie voraus. „Die mit dieser Entwicklung verbundenen Herausforderungen werden nur im Einklang mit den Beschäftigten erfolgreich zu bewältigen sein“, stellt Akademie-Chef Harald Müller klar.

Er weiß aus seiner Tätigkeit bei der Denkfabrik Diplomatic Council: „Auch die Vereinten Nationen kommen bei ihrer Technologiefolgenabschätzung zu ähnlichen Ergebnissen.“ Harald Müller erinnert an die „Empfehlung zur Ethik der künstlichen Intelligenz“ der UNESCO aus dem Jahr 2021, die von 193 Staaten angenommen wurde. Daran heißt es unter anderem: „KI-Systeme dürfen nicht genutzt werden, um Arbeitnehmerrechte zu untergraben.“ Konkret wird vor den Gefahren der „invasiven Überwachung am Arbeitsplatz und diskriminierenden Algorithmen bei der Einstellung“ gewarnt.

Die zu den Vereinten Nationen gehörende International Labour Organization (ILO; Internationale Arbeitsorganisation, IAO) geht davon aus, dass KI die meisten Arbeitsplätze nicht wegrationalisieren, sondern ergänzen wird. „Es bleibt zu hoffen, dass diese globale Instanz für Themen rund um die Gestaltung der Arbeitswelt Recht behält“, sagt Harald Müller.

Die BWA Akademie („Consulting, Coaching, Careers“) ist seit über 25 Jahren unter der Geschäftsführung von Harald Müller und Astrid Orthmann als Spezialist für Personalentwicklung, Outplacement, Personalberatung und Training sowie für Arbeitsmarktprogramme wie Beschäftigtentransfer erfolgreich. Die BWA versteht sich als neutraler Vermittler zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften zum Vorteil der Arbeitnehmer. Mit Hilfe der BWA haben mehr als zehntausend Arbeitnehmer eine neue berufliche Zukunft gefunden. Das Spektrum reicht von der Begleitung von Change Management-Prozessen über Vermittlung und Coaching von Führungskräften bis hin zur Unterstützung bei der Gründung eines eigenen Unternehmens. Harald Müller und Astrid Orthmann sind Mitglieder im Diplomatic Council, einem Think Tank mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen. BWA-Gründer Harald Müller ist zudem Beiratsmitglied der Stiftung „Bildung und Beschäftigung“, die sich für die sozial­verträgliche Bewältigung des wirtschaftlichen Strukturwandels einsetzt.

Die IGBCE zählt mit rund 600.000 Mitgliedern zu den größten Gewerkschaften in Deutschland. Sie vertritt die Interessen ihrer Mitglieder in Branchen mit mehr als einer Million Beschäftigter und steht für ein solidarisches Miteinander und für soziale Gerechtigkeit. Hierzu ist sie bundesweit in gut 1.100 Ortsgruppen in Städten und Gemeinden sowie 900 Vertrauenskörpern in den Betrieben organisiert. Die IGBCE setzt auf ein geeintes soziales Europa, das in Demokratie, Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit lebt; sie bekennt sich zur sozialen Markt­wirtschaft. Daher arbeitet die IGBCE mit daran, den Industriestandort Deutschland mit seinen hohen wirtschaft­lichen, technologischen und sozialen Standards im globalen Wettbewerb zu positionieren. Ziel ist es, unsere Industriegesellschaft auf den Weg zu einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung zu bringen, in der soziale, ökonomische und ökologische Werte gleichberechtigt gefördert werden. Vor Ort in den Betrieben geht es darum, die Verbindlichkeit und Wirksamkeit des Flächentarifvertrages mit flexiblen und differenzierten Regeln zu erhalten und die Mitbestimmung in den Unternehmen auszubauen. Dazu gehört auch, dass die Arbeits­formen an die sich verändernden Bedürfnisse der Arbeitnehmerschaft sowie der Wirtschaft in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung angepasst werden – inklusive Künstlicher Intelligenz und Robotik.

Das Diplomatic Council verbindet einen globalen Think Tank, ein weltweites Business-Netzwerk und eine Charity Foundation in einer einzigartigen Organisation mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen. Die Mitglieder verbindet die feste Überzeugung, dass eine florierende Wirtschaft ein wesentliches Fundament für Wohlstand und Frieden darstellt. Zum Mitgliederkreis gehören Diplomaten und Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft. Die BWA und Harald Müller in persona sind Mitglied im Diplomatic Council.

Bild BWA Akademie

Weitere Informationen: BWA Akademie,
Burgstraße 81, 53177 Bonn, Deutschland,
Tel.: + 49 228 323005-0, E-Mail: info@bwabonn.de,
Internet: www.bwabonn.de

Termine

ISMMA 2025 Kommen Sie zum Community Event 2025 im Saarland! Am 8. und 9. März 2025 geht die ISMMA (Innung Saarland Mode Messe Award) im E-Werk in Saarbrücken in die zweite Runde. --------- Vom 13. bis 17. Januar 2025 öffnet die BAU, die Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme, in München ihre Türen. https://www.rkw-kompetenzzentrum.de/innovation/blog-1/ausblick-auf-die-bau-2025-die-zukunft-des-bauens-aktiv-gestalten/