Berlins Auszubildende sind happy mit ihrer Berufswahl und in ihrem Ausbildungsbetrieb: 85 Prozent würden ihren Arbeitgeber weiterempfehlen. Gleichzeitig konnten 4 von 10 Ausbildungsbetrieben ihre angebotenen Ausbildungsplätze nicht oder nicht vollständig besetzen. Hauptgrund sind fehlende passende Bewerbungen. Mittlerweile scheitern Ausbildungsverhältnisse allerdings auch, weil Auszubildende in Berlin keine günstige Wohnung finden. Das zeigen die Ergebnisse der Wohnbedarfsstudie des Forschungsinstituts empirica im Auftrag der IHK Berlin sowie zwei IHK-Umfragen, an der sich jeweils mehr als 400 Berliner Auszubildende und Betriebe beteiligten. Mit Blick auf die Wahlen im September fordert die IHK Berlin deshalb von der nächsten Regierung einen massiven Ausbau des Azubi-Werks, die Stärkung der Ausbildungsreife an den Schulen sowie mehr Unterstützung beim Matching zwischen Jugendlichen und Unternehmen durch die Bundesagentur für Arbeit.
Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin: „Die gute Nachricht ist, dass sich junge Menschen ganz bewusst für die duale Ausbildung entscheiden, überwiegend in ihrem Wunschberuf arbeiten und ihre Ausbildungsbetriebe weiterempfehlen würden. Weniger erfreulich ist die Tatsache, dass Ausbildungsverhältnisse gar nicht erst zustande kommen, weil Azubis keine günstige Wohnung in Berlin finden. Das gerade gegründete Azubiwerk ist deshalb ein wichtiger Schritt, um Auszubildende mit Wohnraum zu versorgen. Wenn allerdings 65 Prozent der Azubis Wohnraum-Bedarf haben, liegt auf der Hand, dass die vorhandenen Plätze nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Hier besteht dringender Handlungsbedarf für die nächste Landesregierung. Das Azubiwerk muss zum zentralen Steuerungsinstrument für günstigen Wohnraum für Azubis gemacht werden.“
Tanja Schirmann, Geschäftsleiterin von Plischka Möbeltransporte: „Wie viele andere Unternehmen investieren wir viel Zeit und Ressourcen, um junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen und im Betrieb zu unterstützen. In der Praxis erleben wir jedoch, dass passende Bewerbungen fehlen oder Ausbildungsverhältnisse an Rahmenbedingungen scheitern, die Betriebe allein nicht lösen können. Dazu gehört zunehmend auch das Thema Wohnen. Wenn Auszubildende keinen Wohnraum finden, gehen uns wichtige Nachwuchskräfte verloren.“
Rund 80 Prozent der Berliner Auszubildenden geben an, sich trotz vorhandener Alternativen bewusst für den dualen Ausbildungsweg entschieden zu haben. Es mangelt dabei nicht an Ausbildungsstellen, im Gegenteil: In Berlin sind allein laut der Bundesagentur für Arbeit noch mehr als 5.000 Ausbildungsplätze frei. Zudem melden laut IHK-Umfrage 44 Prozent der Befragten freie Ausbildungsplätze gar nicht oder nur gelegentlich an die Bundesagentur. Das heißt, die tatsächliche Zahl verfügbarer Ausbildungsplätze ist erheblich höher.
Größte Herausforderung bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen bleibt das Matching. 42 Prozent der Unternehmen können Ausbildungsplätze nicht oder nicht vollständig besetzen. Als Hauptgrund nennen die betroffenen Unternehmen das Fehlen passender Bewerbungen (95 Prozent, ein Anstieg um zehn Prozentpunkte im Vergleich zu 2025.)
Gleichzeitig gerät der Ausbildungsmarkt wegen des angespannten Berliner Wohnungsmarkts unter Druck: Drei von zehn Unternehmen berichten, dass Jugendliche ihre Stelle in den vergangenen fünf Jahren wegen einer fehlenden Unterkunft nicht angetreten haben. Fast jeder sechste Betrieb meldete Kündigungen aus genau diesem Grund. Das belegt die neue IHK-Wohnbedarfserhebung, die das Forschungsinstitut empirica durchgeführt hat, und die zeigt, dass der Bedarf weiterwächst: Rund 65 Prozent aller Ausbildungsanfängerinnen und Ausbildungsanfänger in Berlin wünschen sich eigenen Wohnraum. Bis zum Jahr 2040 werden jährlich allein rund 3.400 zusätzliche Wohnplätze für Azubis benötigt, die von außerhalb nach Berlin ziehen.
IHK Berlin | Fasanenstraße 85 | 10623 Berlin

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